Der Moment, in dem alles sichtbar wurde
Ich habe lange gezögert, meine Arbeiten zu zeigen. Nicht, weil sie nicht da waren – sondern, weil ich nicht sicher war, ob ich bereit bin, damit gesehen zu werden.
Am 19. Oktober 2022 habe ich diese Entscheidung getroffen.
Meine erste Vernissage fand im Rayonhaus – Schmuckwerkstatt in Magdeburg statt. Kein steriler Galerieraum, sondern ein Ort, der Nähe zulässt. Für einen Abend wurde dieser Raum zu meinem ersten öffentlichen Schritt.
Ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl.
Die Bilder hängen. Die ersten Menschen kommen. Und plötzlich gibt es kein Zurück mehr.
Gezeigt wurden Leinwände und Zeichnungen – Arbeiten, die aus einem sehr direkten, oft ungeplanten Prozess entstanden sind. Es ging nicht darum, etwas Perfektes zu präsentieren. Es ging darum, etwas Echtes sichtbar zu machen.
Was ich an diesem Abend zum ersten Mal gemacht habe,
ich habe meine Texte gelesen.
Eigene Worte, laut ausgesprochen, vor Menschen. Nicht als Ergänzung zu den Bildern, sondern als Teil davon. Ich wusste nicht, wie das ankommt. Ich wusste nur, dass es genau so richtig ist.
Heute sehe ich diesen Abend anders als damals. Es war keine „fertige“ Ausstellung. Kein durchinszeniertes Konzept. Kein perfekter Auftritt.
Es war ein Anfang.
Der Moment, in dem ich aufgehört habe, mich zurückzuhalten.
Der Moment, in dem ich meine Arbeit nicht mehr versteckt habe.
Viele Themen, die an diesem Abend sichtbar wurden, begleiten mich bis heute in meinen Bildern, in meinen Texten und in dem, was ich weiter aufbaue.
Diese erste Vernissage war kein Höhepunkt.
Sie war der Punkt, an dem alles begonnen hat.


